Wichtige Punkte liegen gelassen

Mühldorf – Das hatte sich Außenangreifer Fabian Bartsch anders vorgestellt. Drei Punkte an seinem 23. Geburtstag – das wäre was gewesen, um die Verfolger in der 2. Volleyball-Bundesliga auf Distanz zu halten. Der Gegner: Schlagbar, zumindest vermittelt das der Blick auf die Tabelle. Denn der TSV Grafing hatte bis zu dessen Heimspiel am Samstag von den bereits absolvierten elf Spielen lediglich drei gewonnen. Sicherlich eine Folge des gewaltigen Aderlasses, den das Meisterschaftsteam der vergangenen Saison zu verkraften hatte. Stattdessen sind es junge Wilde, die nachgefolgt sind. Doch die machten ihre Sache am Samstag in der Jahnsporthalle gut. Nach einem spannenden Fünf-Satz-Match blieben zumindest zwei Punkte in Grafing, Mühldorf bekleckerte sich nicht mit Ruhm und durfte beim 25:18, 23:25, 26:24, 20:25 und 12:15 lediglich einen mit nach Hause nehmen.

Wie es dazu kam, darauf konnte sich Abteilungsleiter Stefan Bartsch auch einen Tag darauf keinen richtigen Reim machen. „Wir hatten Grafing voll im Griff, aber wir leisteten uns erschreckende Schwächephasen und haben Grafing so zurück ins Spiel gebracht.“ Zu statisch habe man gespielt, nicht flexibel genug auf die Spielweise der Grafinger reagiert. Die hingegen bekamen immer mehr Lust auf einen Sieg, spielten ausgefuchst und clever und stellten die Mühldorfer vor letztlich unlösbare Probleme.

Dabei begann alles nach Plan. Mühldorf servierte hart, blockte stark, setzte Grafing mit starken Angriff ordentlich unter Druck (6:1). Die klare Führung gleich zu Beginn nach einer Aufschlagserie von Geburtstagskind Fabian Bartsch hielt bis zum Schluss, Grafing fand kein Rezept gegen die Dominanz der Mühldorfer, auch wenn Trainer David Schirmer zwischenzeitlich Marco Vogel für Adrian Nachtwey brachte und Paul Koch Philipp Küchenhoff ersetzte (25:18).

Beide Grafinger Spieler blieben dann auf dem Feldals es in Durchgang zwei ging. Der verlief zu Beginn noch ausgeglichen (7:7), erst bei Aufschlag Tom Brandstetter setzten sich die Mühldorfer etwas ab (11:8). Satz eins schien sich zu wiederholen, nachdem Mühldorf auf 18:14 davonzog. Dann aber war plötzlich der Faden ab. Der Annahmeriegel der Grafinger stand stabil gegen die harten aber immer fehleranfälligeren Aufschlage der Mühldorf und auch die Abwehr um den glänzend aufgelegten Libero Marvin Primus, den späteren MVP, fischte einen Mühldorfer Angriff nach dem anderen aus dem Feld. Keine optimalen Bälle zum Zuspieler, doch die unorthodoxen Grafinger Angriffe stellten die Mühldorfer vor Probleme.

Die Mühldorfer ihrerseits ließen Präzision beim ersten Ball vermissen ließen, produzierten viele Eigenfehler und haderten regelmäßig mit den Entscheidungen der Schiedsrichterin Julia von der Weppen. Mühldorf führte zwar bereits klar mit 20:16, doch Florian Krenkel auf Grafinger Seite leitete dann die Wende ein mit drei Aufschlägen in Folge (23:21). Abteilungsleiter Bartsch konnte darüber nur verärgert den Kopf schütteln. „Eine solche Führung darf man in der 2. Bundesliga eigentlich nicht mehr aus der Hand geben!“ Doch Mühldorf gab das Spiel aus der Hand. Grafing glich mit 25:23 aus.

DerGastgeber hatte nun Blut geleckt. Das Spiel im dritten Satz sollte zwar keinen Schönheitspreis bekommen, doch Grafing agierte immer cleverer am Netz, brachte mit konsequenten Float-Aufschlägen die Mühldorfer schier zur Verzweiflung, hatte dazu das Glück des Tüchtigen. Mühldorf versemmelte weiterhin eine stattliche Anzahl von Sprungaufschlägen, donnerte die Angriffe ins Aus. Der Zeitpunkt wäre richtig gewesen, Fabian Bartsch eine Pause zu gönnen, doch dem Mühldorfer Cheftrainer Heiko Roth fehlten die Alternativen. Denn Leo Tille fehlte wegen eines operativen Eingriffs und Fritz Vähning hatte sich vor dem Spielwegen Schulterproblemen abgemeldet. Gerade noch retteten die Mühldorfer den 26:24-Satzgewinn.

Im vierten Abschnitt jedoch wurden die Mühldorfer von der jungen Grafinger Mannschaft vorgeführt. Keinen Ball gaben die Gastgeber verloren, immer wieder schafften sie es, einen Angriff aufzubauen und ärgerten die MühldorferAbwehr mit sogenannten „Power Tips“, also Lobs, mit denen die Innstädter überhaupt nicht klar kamen. Sie ließen sich komplett aus dem Konzept bringen. „Wir haben immer wieder erst einen Punkt für die Gegner zugelassen, bevor uns ein Side-Out gelungen ist. Und das rächt sich zum Schluss“, kommentiert Stefan Bartsch den folgerichtigen 20:25-Satzverlust.

Die Mühldorfer steckten aber nicht den Kopf in den Sand, waren in Durchgang fünf wieder hellwach und agierten konsequent am Netz. Nicht zuletzt, weil Verlass auf Mühldorfs Diagonalspieler und späteren MVP Laurenz Welsch war. Schnell hatten sie sich in eine komfortable Situation gespielt (11:8). Doch dann kam Tim Aust zum Aufschlag, der in der vergangenen Saison noch zusammen mit seinemTeamkollegen und Mittelblocker Jonathan Helm in Mühldorf gespielt hatte. Seine raffinierten Float-Aufschläge überforderten den kompletten Annahmeriegel der Mühldorfer. „Die haben einfach aufgehört zu spielen“, meint dazu Abteilungsleiter Bartsch nüchtern. Die Folge: Plötzlich führte Grafing mit 13:11, Mühldorf war komplett von der Rolle, hatte nichts mehr entgegenzusetzen und verlor mit 12:15.

Anstatt sich etwas Luft gegenüber den Verfolger zu verschaffen, ließen die Mühldorf zwei wichtige Punkte zum Klassenerhalt liegen. Wiedergutmachung soll nächste Woche erfolgen, wenn am Samstag die Volley YoungStars aus Friedrichshafen zu Gast in der Nutz-Arena in Mühldorf sind.

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