Mühldorfs Mann für alle Notfälle

Der TSV Mühldorf spielt derzeit seine dritte Saison in Folge in der 2. Volleyball-Bundesliga. Trotz des hohen Niveaus sind die Spieler keine Profis. Arbeit, Urlaube oder Verletzungen verhindern oftmals einen vollen Kader bei Training oder Spielen. Doch der TSV kann sich immer auf eine Personalie verlassen: Routinier Johannes Kessler. Der 34-Jährige springt immer ein, wenn es bei den Innstädtern brennt “und das war jetzt doch recht oft der Fall“, lacht Kessler im Gespräch.


In der Saison 2023/24 stieß Kessler zum TSV. Damals fehlte unter anderem Tom Brandstetter verletzt. „Mich hat der Fabi Wagner gefragt, ob ich Lust hätte, auszuhelfen. Es war zwar eine gute Mannschaft, aber es haben irgendwie immer ein, zwei Leute gefehlt – es war immer Spitz auf Knopf“, erinnert sich der Diagonalangreifer. Also half Kessler aus und schaffte mit dem TSV zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die 2. Bundesliga. „Dann hat es mich einfach total gepackt“, so Kessler.


Der gebürtige Würzburger begann seine Volleyball-Karriere beim SV Bruckmühl und spielte dann mit der zweiten Mannschaft von Generali Haching in der Landesliga, ehe er 2011 in den Bundesliga-Kader aufgenommen wurde. 2012 wechselte er für ein Jahr nach Grafing und dann zum TSV Herrsching. Dort stieg er in die 1. Bundesliga auf und baute in der Folge die zweite Mannschaft auf – diese führte er als Trainer in die 3. Liga.


Doch dann brauchten die Mühldorfer Hilfe und Kessler zog selbst wieder das Trikot über. „Eigentlich war der Plan, nur ein bisschen mitzutrainieren und dann eben, wenn sie ganz doll Unterstützung brauchen, mal mit am Start zu sein“, so Kessler. Im besten Fall muss der Außenangreifer also nicht eingreifen. „Es macht natürlich Spaß, aber die persönlichen Ziele stehen hier nicht im Vordergrund. Es geht darum, dass die Mannschaft sich gut in der Liga hält und die jungen Spieler integriert werden“, erklärt Kessler.


Allerdings ist er keiner, der nur mal so aushilft, sondern auch mit 34 Jahren noch immer ein echter Unterschiedsspieler in der 2. Bundesliga. Beim 3:1-Heimsieg der Innstädter gegen die Keiler Volleys aus Stuttgart sicherte er sich die MVP-Medaille. „Die Erfahrung macht es dann. Da ist man weniger nervös, als die Anderen und so funktioniert das noch“, freut sich Kessler. Darin sieht er auch den entscheidenden Punkt, der dem Team noch fehlt: „Du wirst einfach routinierter, wie man in Stresssituationen reagiert. Und das Schöne ist vor allem, zu sehen, wenn es bei den anderen funktioniert und die sich von Spieltag zu Spieltag verbessern.“


In der Tabelle belegen die Mühldorfer aktuell den siebten Platz – und es lässt sich eine klare Tendenz erkennen: Während der TSV alle drei Partien in der heimischen Nutz-Arena gewann, verlor die Mannschaft von Yannick Klement alle vier Auswärtsspiele. „Ich würde sagen: So drei, vier Wochen vor Saisonbeginn hatte ich noch mehr Bedenken, was den Kader angeht. Da sah es noch ein bisschen dünn und wackelig aus“, gibt Kessler zu. Doch nun sieht es anders aus: „Inzwischen habe ich ein gutes Gefühl“, betont der Diagonalangreifer. „Wir haben auf jeden Fall die Chance, gegen die meisten Mannschaften gut mitzuhalten. Uns fehlt an vielen Stellen noch ein bisschen Konstanz, wir müssen uns auf jeden Fall beim Thema Aufschlag noch verbessern. Sonst geht es darum, diese Schwächephasen, die immer mal wieder auftauchen und auch ganz normal sind, so kurz wie möglich zu halten“, analysiert Kessler und zeigt sich zuversichtlich: „Dann glaube ich, dass wir eine Platzierung in der Tabellenmitte erreichen können.“

von Leon Simeth

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